Geschichte der Stadtkapelle Binsdorf

   Urkunde 1773

1773 -1927

In der amtlichen Kreisbeschreibung (Band 2 / 1961) finden wir erstmals einen Hinweis auf die musikalische Tätigkeit in Binsdorf. Zwei Kantoren unterrichteten in Musik und Latein (1540). Nach dem Eingehen der Katharinenkaplanei wurde der erste aus deren Vermögen besoldet. Die Schule galt im Hohenbergischen um 1790 als Musterschule.

Die älteste Aufzeichnung über eine Binsdorfer Musikkapelle wurde von Karl Weckenmann in der Heiligenrechnung der Kirchengemeinde Dormettingen gefunden. Sie stammt vom Sankt Clemensfest des Jahres 1773.

Durch die Kriegswirren und die Stadtbrände von 1799 und 1904 wurden die meisten Akten vernichtet. Die mündlichen Überlieferungen und Funde in den Nachbargemeinden konnten Lücken schließen.
In einem Protokoll aus dem Jahre 1827 wurden Binsdorfer Chormusikanten erwähnt. Dieses Datum war ausschlaggebend für die Jubiläumsfeste in den Jahren 1957, 1977 und 1988.
Die Namen der bedeutendsten Musiker vor dem Ersten Weltkrieg waren sicher Ruffinus und Thomas Niggel, weil deren Namen auf selbstgeschriebenen Noten und in Nachbarstädten auftauchen. Binsdorfer Musiker spielten auf den Festen und Hochzeiten zwischen Oberland, Neckar und dem Elsaß.
Zu verwundern ist es nicht, dass noch wertvolle Bücher bei den Nachkommen des Ruffin Niggel gefunden wurden: Kurzer und gründlicher Unterricht im Generalbaß (Ausgabe 1719 in Salzburg). Ruffinus Niggel hat auch den 1871 von J.C. Lobe herausgegebenen Katechismus der Musik gründlich studiert und beherrscht.
Sicher ist auch überliefert, dass nach den schweren Hungersnöten von 1817 und 1848 jeweils der erste Garbenwagen feierlich mit Blasmusik und Glockengeläut eingeholt wurde. Die Angabe der Jahreszahl 1817 deckt sich auch mit der Pfarrchronik, in der eingetragen ist, dass mindestens seit 1820 hier eine Blasmusik bestanden hat.

Ebenso sicher ist, dass am Fronleichnamstag, dem Heimatfest der Binsdorfer, die Stadtkapelle ausrückte (früher mit der Bürgerwehr). Schon in der Morgenfrühe dieses Tages spielt sie das €žReiterwecken und das Jägerwecken. Diese Musik geht mindestens zurück bis in die Kriege 1870/71, wo die letzten Reiterschlachten der Geschichte stattgefunden und eine Anzahl Binsdorfer in den drei Jägerbataillonen tapfer gekämpft haben.
1886 wurde mit einer Binsdorfer Musikkapelle erstmals in einer Zeitungs-Annonce geworben. Am 23.05.1886 spielte die Musikkapelle zur Gartenwirtschaftseröffnung im Gasthaus zum Anker in Balingen.

Zum 50-jährigen Jubiläum des Männergesangvereins Binsdorf im Jahr 1912 übernahm die Musikkapelle aus Binsdorf die musikalische Umrahmung.
Lange Zeit spielte unter dem Dirigenten Ruffin Niggel die Blas- und Streichmusik mit der Orgel zur Unterstützung des Chores und der Verschönerung des Sonntags- und Festgottesdienstes zusammen. Eines Tages kam ein neuer Pfarrer, der von Kunst nicht viel verstand, hierher. Dieser titulierte u.a. von der Kanzel herab die Musiker als Musmehlbloser und Brotesgeiger. Tödlich beleidigt verließen die Musikanten die Kirche. Heute ist es aber wieder so, dass die Stadtkapelle mit dem Gesangverein die Gottesdienste bei Festen verschönert.
Die Mitwirkung der Stadtkapelle bei allen Feiern und Festen war eine Selbstverständlichkeit.

1927-1945

Im Jahr 1927 wurde ein Verein mit passiven Mitgliedern gegründet, welcher aber 1933 wieder aufgelöst wurde. Die Kapelle mit ihren aktiven Musiker blieb aber bestehen.
1937 wurden von der Stadt Binsdorf neue Instrumente gekauft. Der damalige Bürgermeister Eugen Raible war damals automatisch Vorstand der Stadtkapelle.

1946-1974

1957 wurde 130 Jahre Volksmusik in Binsdorf gefeiert. In diesem Jahr nahm die Stadtkapelle auch erstmals unter ihrem Dirigenten Andreas Hutt an einem Wertungsspiel teil. In Bisingen wurde in der Mittelstufe ein erster Rang mit 114 Punkten erzielt.
Im Jahre 1957 begann der Schriftführer Karl Stehle das erste Protokollbuch der Stadtkapelle. Vorher sind nur vereinzelte Schriftstücke vorhanden. So kann die Vorstandschaft nachweislich erst seit 1957 aufgeführt werden.
Die Jahre 1974 und 1975 waren zwei ereignisreiche Jahre in der Geschichte der Stadtkapelle Binsdorf. Im Jahre 1974 wurde Binsdorf nach Geislingen eingemeindet. Somit hörte die Stadtkapelle, die ja kein Verein war, eigentlich auf zu existieren. Niemand wollte die Verantwortung tragen. Es wurde eine Notvorstandschaft gewählt, welche vom 26. Januar 1974 bis zum 13. März 1974 bestand.

1975 - 1999

Am 28.02.1975 wurde in der Hauptversammlung beschlossen, die Stadtkapelle in das Vereinsregister eintragen zu lassen. Nun war die SKB ein Verein mit dem Namen: Stadtkapelle Binsdorf e.V.
Der erste Vorstand des neugegründeten Vereins war Fritz Eberhart.
1977 erhielt die Stadtkapelle Binsdorf im verdient festlichen Rahmen die Pro-Musica-Plakette. Über diese hohe Ehrung freuten sich die Musiker der Stadtkapelle sehr. Auch wurde in diesem Jahr das 150-jährige Jubiläum mit einem großen 5-tägigen Fest gefeiert.
Unter ihrem damaligen Dirigenten Heinz Müller nahm die Stadtkapelle 1982 erstmals in der Oberstufe an einem Wertungsspiel teil. In Geislingen erzielten die Musiker einen ersten Rang mit Belobigung.

1983 nahm die Stadtkapelle am internationalen Volksmusikertreffen in Prag teil.
1984 richtete die Stadtkapelle die 10. Jugendmusiktage mit Jugendwertungspiel des Blasmusikkreisverbandes Zollernalb aus. An diesen Jugendwertungspielen, welche seit 1975 im Zollernalbkreis ausgerichtet werden, nimmt die Stadtkapelle seit 1975 regelmäßig teil.
1987 sollte das 160-jährige Jubiläum gefeiert werden. Da wegen eines Vorstandwechsels nicht genügend Vorbereitungszeit blieb, wurden die Feierlichkeiten um ein Jahr verschoben.
1988 wurde dann mit einem 4-tägigen großen Fest das 160-jährige Jubiläum gefeiert. Bei den Festvorbereitungen wurden, wie bereits erwähnt, von Karl Weckenmann Aufzeichnungen über eine Musikkapelle in Binsdorf bereits im Jahr 1773 gefunden.

1989 nahm die Stadtkapelle unter der Leitung von Herrmann Bächle in Dotternhausen in der Mittelstufe am Wertungsspiel teil. Für ihren Vortrag erhielt die Stadtkapelle einen ersten Rang mit Belobigung.
1993 wurde dann das 220-jährige Jubiläum mit einem 3-tägigen Fest gefeiert.
1994 brach bei der Stadtkapelle eine neue Ära an. Mit Gabriele Nurna wurde erstmals in der Geschichte der Stadtkapelle eine Frau an die Spitze des Vereins gewählt. Sie hat dieses Amt bis heute inne.
1998 wagte sich die Stadtkapelle unter ihrem neuen Dirigenten MD Jürgen Gruhler nach längerer Zeit wieder an ein Wertungsspiel. In Stetten u. H. erhielten die Musiker in der Mittelstufe die Bestnote €žmit sehr gutem Erfolg.

2000 - Heute

Im September 2000 wurde der aktuelle Dirigent der Stadtkapelle MD Thomas Michelfeit verpflichtet. Unter seiner Regie erlebte die Stadtkapelle einen großen musikalischen Aufschwung.
Im Jahr 2002 wurde nach 30 Jahren wieder ein Wertungspiel in der Oberstufe bestritten, welches mit der Bestnote mit hervorragendem Erfolg abgeschlossen wurde.
2011 nahmen die Jungmusiker der Stadtkapelle Binsdorf zusammen mit den Jungmusikern der Musikvereine aus Villingendorf und Sulzbach (welche auch von Thomas Michelfeit dirigiert werden) am deutschlandweiten Wettbewerb der Bundeswehr BW-Musix in Balingen teil. Dabei erreichte der 90-köpfige Klangkörper mit einer Punktzahl von 99,5 Punkten in der Oberstufe den 1. Platz.
2012 fand der bis dahin größte Erfolg der Stadtkapelle statt. Zum ersten Mal trat sie beim Kreismusikfest in Geislingen in der Höchststufe an. Neben dem Selbstwahlstück Bulgarian Dances von F. Cesarini wurde der Stundenchor mit dem Stück Freiheit - Gedankenspiele für Blasorchester von K. Gäble gewagt. Unter Leitung des Dirigenten MD Thomas Michelfeit konnten die Musiker der Stadtkapelle das fachkundige Publikum und die Jury begeistern und erspielten die Note mit hervorragendem Erfolg€. Mit 95,8 Punkten wurde zudem die höchste Punktzahl aller teilnehmenden Orchester erspielt.

Im Mai 2013 wurde der Förderverein der Stadtkapelle Binsdorf e.V. mit dem Ziel, die Stadtkapelle bei der Planung und Ausrichtung verschiedener Festivitäten zu unterstützen, gegründet. Mit insgesamt 27 Gründungsmitgliedern konnte der Eintrag ins Vereinsregister gestellt werden. Der Verein agiert fortan als Förderverein der Stadtkapelle Binsdorf e.V.

Auch 2015 trat die Stadtkapelle beim Kreismusikfest in Rangendingen beim Wertungsspiel an. Unter der Stabführung von Dirigent MD Thomas Michelfeit sind wir in der Höchststufe mit dem Selbstwahlst Armenian Dances Part 1 von Alfred Reed und dem Stundenchor With Clouds Descending von Philip Sparke angetreten. Mit 96,8 Punkten konnte die Stadtkapelle die höchste Punktzahl aller teilnehmenden Orchester erzielen, ein weiterer absoluter Höhepunkt in der Vereinshistorie.

Dirigenten der Stadtkapelle

 

 

 

Vor dem Ersten Weltkrieg

 

Ruffin Niggel

 

Thomas Niggel

 

 

 

Nach dem Ersten Weltkrieg

 

Dominikus Stehle

bis 1928

Markus Kappeler

1928 - 1937

Josef Raible

1937 - 1939

 

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg bis heute

 

Johannes Eberhart

1946 - 1947

Josef Raible

1947 - 1951

Johannes Eberhart

1951 - 1954

Karl Rädel

1954 - 1956

Andreas Hutt

1956 - 1961

MD Erwin Sugg

1961 - 1967

Herbert Schwab

1967 - 1970

Bruno Eberhart

1970 - 1974 ständiger Wechsel

Andreas Hutt

 

Rudi Kränzler

 

Hans Stingel

 

Heinz Müller

1974 - 1986

Hermann Bächle

1986 - 1991

Roland Weckenmann

1992 - 1997

MD Jürgen Gruhler

1997 - 2000

MD Thomas Michelfeit

2000 - heute

Vereins-Vorstandschaft der Stadtkapelle von 1957 bis heute

Historische Photos

Erstes Photo der Stadtkapelle im Jahre 1926

Binsdorfer Fasnetsmusik 1926

Fronleichnam 1956

Die Stadtkapelle im Jahre 1957

Fronleichnam 1960

Verleihung der Pro- Musica- Plakette 1977

Die Stadtkapelle im Jahre 1988

Neujahresempfang Stadt Geislingen 2004

SKB im Jubiläumsjahr 2013

Frühjahreskonzerte der Stadtkapelle

Wertungsspielergebnisse der Stadtkapelle

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